kagablog

November 1, 2006

Wasted - Die große Verschwendung - Naar de klote!

Filed under: 1996 - wasted! (naar de klote!) — ABRAXAS @ 7:31 pm

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Ian Kerkhof, NL 1996

Ein Film, in dem Techno keine reine Kulisse ist, sondern ein Film aus, über und mit Techno, so verspricht uns das Programmheft.

Aber leider Gottes zeigt sich, daß auch in echt technoischen Technofilmen am liebsten haarsträubend konventionelle Geschichten erzählt werden: Trine vom Dorf, naiv und lebensgeil, gerät in Großstadtsumpf zum Beispiel.

Das technospezifische in diesem Fall scheint zu sein, daß es sich um eine Ethnotrine handelt, die sich zur Edelraverin wandelt und daß sie begleitet wird von ihrem ewig zugekifften und freakigen Freund, dem selbst eine Charakterwandlung in gut 100 Minuten Film zu anstrengend ist.
Natürlich kommt es zu einer tiefen Krise zwischen den beiden, weil sie neue falsche Freunde findet und neuen bösen Verlockungen erliegt. So betrügt die Trine den Freak mit einem eleganten und skrupellosen Dealer, der sie anfangs abstößt, von dem sie sich dann aber bereitwillig in die Abgründe des Lebens, der Erotik und des Drogenhandels einführen läßt. Sie wird in dunkle Geschäfte verwickelt und je tiefer die Verstrickungen, je mehr Leute sie verletzen und betrügen, desto mehr erkennt sie die Falschheit ihrer neuen Welt, die Verfehltheit ihres eigenen Tuns. Am Schluß kehrt sie geläutert zu Freund, Provinz und vermutlich auch relativer Drogenfreiheit zurück, durfte sie doch vorher bereits in einer Schlüsselszene eine Menge Pillen eine technobunte Toilette runterjagen.

So schematisch, so bekannt.

Aber weil “Wasted” nun mal ein Technofilm ist, muß er seine schwachbrüstige Story eben auch technolike aufdonnern. Ein fataler Fehler. Nichts gegen Bildverfremdungen jeder Art, nichts gegen hektisch-hysterische Montage und Kamerabewegungen, aber in der völlig unangemessenen Verbindung mit der dumpfen Story kommt es zu einer verhängnisvollen Mischung: langweilige Narration plus nervige Inszenierung. Vielen Dank.

So hat der Film seine stärksten, leider zu spärlichen Momente an den Stellen, wo er fast völlig aufs Erzählen verzichtet, nämlich bei den Partyszenen. Da geht’s dann wenigstens wirklich ab, da ist es dann wenigstens wirklich trippy.

Merkwürdigerweise zeigt das Ende des Filmes, das fast ein bißchen angeklatscht wirkt, da es im Grunde nichts mit der vorherigen Geschichte zu tun hat, was “Wasted” anstatt einer paradoxen Mischung aus jubelnder Technoästhetik und altbackener Drogenverteufelung auch hätte sein können: Wir sehen zwei Bubis von vielleicht 16 Jahren, die am hellen Morgen von der letzten Party nach Hause fahren wollen. Sie bieten zwei Mädchen im selben Alter an, sie auf ihren Fahrrädern mitzunehmen, der unbeholfene Aufreißversuch wird von einigen älteren Autofahrern vereitelt, so daß die Jungs alleine auf ihre Drahtesel steigen müssen. Durch den Morgen sausen sie nach hause. Dort hüpfen sie dann auf ihren Betten, lachen und johlen und trauern der entgangenen Chance hinterher, aber nicht zu sehr. Und weil sie noch so gut gelaunt sind, schlägt der eine vor, noch eine Line zu ziehen. “Volle Dröhnung” lautet ihr Schlachtruf, mit dem der Film endet.

Diese Jungs, in denen sich kindliche Unbekümmertheit, pubertierende Spaßgeilheit und knallharte Drogengier trifft, sie haben mich berührt, interessiert und geschockt, mehr als der ganze Rest des Filmes.

Björn Vosgerau

this review first appeared on filmtext.com

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