
Kerstin Ergenzinger (*1975 in Reutlingen, lebt in Köln) studierte Malerei und Plastik an der Universität der Künste in Berlin und am Chelsea College of Art and Design in London. 2007 schloss sie ihr Postgraduierten Studium an der Kunsthochschule für Medien in Köln ab. Die breit angelegte Ausbildung schlägt sich in ihrem vielschichtigen, medienübergreifenden Schaffen nieder, das sich eindeutigen Zuordnungen entzieht und trotzdem eine klare inhaltliche Ausrichtung aufweist. Die junge Künstlerin, deren bereits mehrfach ausgezeichnete Arbeiten bisher überwiegend im Raum Köln - Düsseldorf zu sehen waren, wird mit dieser Ausstellung zum ersten Mal dem Schweizer Publikum vorgestellt.
Für das neu eröffnete Tiefparterre des Kunstraums Kreuzlingen, das sich als Ort für künstlerische Experimente und junge Positionen definiert, wird Ergenzinger ein raumbezogenes Projekt realisieren. Unter dem Titel “Schleuse” konzipiert die Künstlerin eine Versuchsanordnung zur visuellen Grenzerfahrung. Schleuse bezeichnet dabei einen temporären, halboffenen Raum innerhalb des Ausstellungsraums, der durch projizierte Lichtlinien ständigen Veränderungen unterworfen ist und von den BesucherInnen mit Schritten und Blicken abgetastet werden muss. Die Orientierung in der Dunkelheit des Tiefparterres findet anhand der Lichtstrahlen statt, die wie Suchlichter wirken, aber immer andere, neue Wege aufzeigen und keine Sicherheit bieten.

Wie immer entwickelt Ergenzinger auch diese Arbeit aus der Zeichnung heraus, da diese abstrahierenden Übertragungen von räumlicher Wahrnehmung die Dinge nicht nur erkennbar macht, sondern gleichzeitig den eigenen Blick auf diese Dinge verändert. Bei “Schleuse” kommen dieselben Prozesse zum Tragen. Der Besucher nimmt die entstehenden Räume wahr, aber dieses Wahrnehmen verändert gleichzeitig sein Verhalten innerhalb dieser Räume. Trotz der suggestiven Kraft der Lichtzeichen im dunklen Raum legt es die Künstlerin nicht darauf an, die Konstruiertheit ihrer Anordnung zu verbergen. Umgebaute Overheadprojektoren werden mit Schrittmotoren beweglich und programmierbar gemacht. Die digital anmutenden, multiplen Projektionen beruhen auf archaisch-analogen Lichtmaschinen, deren Bewegungen wiederum digital programmiert sind. Indem Ergenzinger die Mechanismen der Betrachterpositionierung durch die Lichtführung offen legt, schafft sie mit Schleuse die Situation einer “Mixed Reality”, worin sich Immersion und kritische Distanz abwechseln und dadurch die Reflexion über das eigene Sehen möglich machen.
Katharina Ammann, Gastkuratorin
Kerstin Ergenzinger wurde im August 2008 mit dem Friedrich-Vordemberge-Stipendium für Bildende Kunst der Stadt Köln ausgezeichnet und wird den diesjährigen Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für junge Künstlerinnen und Künstler Sparte Medienkunst erhalten.
Während der Ausstellung erscheint eine Publikation, ein “Zeichenbuch”, das den zeichnerischen Prozess als Grundlage für die installativen Arbeiten der Künstlerin verdeutlicht.
Die Ausstellung wird unterstützt durch: Kulturstiftung des Kantons Thurgau, Dr. Heinrich Mezger-Stiftung, BAK-Sitemapping, Bundesamt für Kultur
Tiefparterre im Kunstraum Kreuzlingen
Bodanstrasse 7a
8280 Kreuzlingen
www.kunstraum-kreuzlingen.ch
Phone:
+41 71 671 15 28
Exhibition
6 September 2008 - 22 October 2008
Online since 29 August 2008
Opening Hours:
Fr 15 - 20 Uhr, Sa 13 - 17 Uhr, So 13 - 17 Uhr
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